Freitag, 27. April 2012

Das Geburtstags-Grauen

Bald hat unser Herr B. Geburtstag - ein Grund zu großer, großer, großer Freude!

Zu diesem Anlass will man ja auch was schenken - ein Zweijähriger braucht keine Massen an Spielzeug, aber ein bißchen was ja schon!


Und da fängt der Horror an, der richtige entsetzliche grauenvolle Horror:
Weit und breit in den Spielwaren-Abteilungen nur noch gruselige "entweder-oder-Welten"!

ENTWEDER rosa, lila, glitzer Stofftiere, Schmink-Sets für Zweijährige, 
Pferde-Farm und Latte-Macchiato-Café-Welten, verblödendes Zubehör zum 
Nachspielen eines Model-Contests für die Allerkleinsten, debil-grinsende 
Sprech-Pipimach-Puppen, auf deren Verpackungen blöd-naiv lächelnde Mädis 
mit Zöpfchen vorführen, wie langweilig man damit spielen kann.

   ODER Piraten, Auto, Monster-Welten, Laserschwerter, 
Gummipistolen, Flummis im Augapfeldesign, Glibber-Neon-Schleim 
zum Mama-ärgern, sprechende, blökende Autos mit Gesicht, 
die Spielzeug-Verpackungen sämtlich mit blau-grau-schwarz gewandeten Jungs, 
die sich zur Gewöhnung an ihr Markt- und Wirtschafts-konformes Erwachsenenleben 
besser jetzt schon mal im schneller-höher-weiter-Alltagskampf üben sollen.


Was soll das?
Ich hab nichts dagegen, wenn kleine Mädchen zu rosa greifen und kleine Jungs zu blau. Ich hab' auch nichts gegen Indianer-Cowboy-Pistole-Spielchen oder dagegen, was für den Teddy zu kochen.
Aber verdammt noch mal: Wenn man der Werbung und den Bildchen auf der Verpackung glaubt (und unsere Kinder GLAUBEN diese Dinge), müssen sich alle Jungs abnorm vorkommen, die auch mal gerne eine Puppe in die Hände nehmen würden, und alle Mädchen, die auch gern mal Autos schieben (und das gibt's!!)


Liebe Spielzeugindustrie: Da läuft was falsch!
- Spielzeug soll Fantasie anregen und nicht für Alpträume sorgen!
- Spielzeug soll Raum lassen für eigene Ideen und nicht in seiner Funktion schon fix-und-fertig-festgelegt sein, so dass man damit nur und nur das vorgegebene Rollenspiel nachhecheln kann!
- Spielzeug soll Mädchen und Jungs gleichermaßen ansprechen!
- Spielzeug soll verdammt nochmal gut gemacht sein, ohne dass man nach 3 Wochen schon das nächste blöde Teil nachkaufen muss.

Eine riesengroße Verarschung, die man in jeder Kaufhaus-Spielzeug-Abteilung oder in den größeren Kinder-Anlock-Geschäften beobachten kann.
Und das Schlimme daran ist nicht nur, dass die Geldbeutel der Eltern geschröpft werden....
...sondern dass die Köpfe, die Fantasie, die Neugier, die Spielbegabung
unserer Kinder leiden!


Zum Glück gibt's Rettung in Form vereinzelter, wirklich schöner Geschäfte
          - ich mach jetzt hier mal keine Werbung, ermutige aber nachdrücklich die großen Spielzeug-
         Massen-Waren-Geschäfte zu meiden und nach Alternativen zu suchen!

Zum Glück gibt's ganz kluge und streitbare Köpfe wie Anita Sarkeesian (www.feministfrequency.com)
          guckt mal hier Ihren Beitrag zum Thema "Lego und Gender"!!

Zum Glück gibt's tolle Bücher zum Thema, wie zum Beispiel das absolut lesenswerte Die verkaufte 
        Kindheit von Susanne Gaschke (*klick* zur Buchbesprechung), die *hier* in der ZEIT auch einen
        Artikel dazu geschrieben hat.


So, und ich geh nacher in meinen Lieblings-Spielzeug-Laden bissl gucken - nur so zur Beruhigung, 
weil: das Geschenk für Herrn B. weiß ich schon :-)

Liebe Grüße,
Stefanie

Kommentare:

  1. Ich wünsche allen Eltern gute Nerven beim Vermeiden der übelsten Auswüchse "des Marktes". Bei Bronte habe ich neulich den klugen Satz gelesen: "Kinder kommen selten auf andere Leute" oder so ähnlich. Also: schön vorbildlich sein!
    Ach, niemand hat versprochen, dass Kinder-Großziehen ein Zuckerschlecken ist.
    Einen schönen Geburtstag euch allen und ein gutes neues Jahr für Herrn B.!

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  2. Wie unfassbar wahr! Ich bin zwar kinderlos, aber rege mich trotzdem jedes Mal unfassbar auf. Anscheinend verspricht die eindeutige Kategorisierung so viel Erleichterung und Glückseligkeit, denn anders ist die Präferenz von klaren Geschlechtskategorien im Bereich von Kinderkleidung und Spielzeug ja kaum erklärbar.
    Erzürnt: Juli

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    1. Ja, es ist zum Mäusemelken!
      Vor allem ist es nicht nur die Entscheidung der Eltern, eben einfach nur richtiges Spielzeug zu kaufen - gegen die Spielwarenindustrie (oder auch Nahrungsmittelindustrie) mit all ihrer medialen Überpräsenz kommt man schwer an. Brav-rollenkonforme, quadratische, normgerechte Kinder geben einfach die besseren (unkritischen) Konsumenten ab und das liegt natürlich ganz im Sinne der Anbieter rosa-blauer-Glitzerwelten.

      Viele Grüße,
      Stefanie

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    2. Und leider oft auch im Sinne der Umwelt. Mein kleines Neffenkind mag sich nicht die Haare schneiden lassen und selbst im Waldorfkindergarten wird ein totaler Terz gemacht, dass das Kind aussähe wie ein Mädchen. Meine Herren...

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Ich freue mich, von Euch zu lesen!